Yosemite Park

Natur pur! ... als Hippie in den Yosemite Park

Am dritten Tag geht es bereits raus aus der großen Stadt. Tagsüber haben wir uns noch Schlafsäcke ausgeliehen, letzte Besorgungen gemacht und unser überschüssiges Gepäck in Schließfächer verstaut, wo wir es nach dem Trip in den Yosemite Park wieder abholen werden. Drei Tage werden wir nun unterwegs sein - und zwar mal ganz anders.

Ein Relikt der Hippie-Zeit und für jeden, der kein Fan von durchorganisierten Reisen im Doppeldecker-Bus mit Hotelunterbringung und omnipotentem Reiseführer ist, sind die Bus-Trips von Green Tortoise genau das Richtige. Tja, wie erklärt man nun am besten, was diese Reise-Kommune im Angebot hat!? Am besten durch eine chronologische Beschreibung der geballten Ereignisse dieser drei aufregenden Tage:

Unser Tortouise Bus

Mit nebenstehendem Bus ging es in den Yosemite National Park, mit einer Gruppe von Menschen, die uns im Vorfeld völlig unbekannt waren - was aus jetziger Perspektive auch ganz gut war, vielleicht hätten wir uns sonst nie für diesen unvergesslichen Trip entschieden. Am Busbahnhof in San Francisco fanden sich zur späten Abendstunde eine ganze Schar von Menschen ein. Der Busbahnhof dient dem Reiseunternehmen als zentraler Sammelpunkt für eine Vielzahl von Trips, die von dort aus starten. Jedem geht nur ein Gedanke durch den Kopf: Wer wird wohl auf meinem Trip mit dabei sein? Von feurigen Spaniern, coolen Skandinaviern, Klischee-Amis, Alt-Hippies, Pärchen, die mal wieder was erleben wollten, bis hin zu dem klassischen Backpacker war dort alles anwesend. Doch wer fährt bei uns mit???? Diese Frage ist deshalb so wichtig, weil man wirklich während des ganzen Trips in diesem Bus zusammen ist. Das einzigartige an den umgebauten Relikten der 50er Jahre ist nämlich, dass sich die Sitze umklappen lassen und alle auf zwei Etagen eine Schlafgelegenheit bekommen. Schlafsack an Schlafsack - kuscheln erlaubt, aber nicht wirklich immer erwünscht!

ENDLICH: Der Bus kommt an - es dauert gut eine Stunde bis alle ihr Gepäck eingeladen und einen Platz im (richtigen!) Bus gefunden haben, am Bussteig nebenan sind bereits zwei weitere Green Tortoise Busse angekommen und laden ihre neue "Kommune" ein.

Nun denn, mit einem funktionsfähigen Bus, jeder Menge "interessanter" Leute und einem dreitägigen Abenteuer vor Augen ging es los Richtung Süd-Osten, Richtung Yosemite National Park. Wie es in einer Kommune so üblich ist helfen auch alle mit, deshalb gibt es bereits nach einer Stunde Fahrt eine Pause. Die Essensvorräte für die nächsten drei Tage werden gemeinsam eingekauft und in den Bus geladen. Mit gut vorbereiteten Einkaufslisten wird in Teams in einem Super Walmart alles nötige geshoppt - und alle helfen mit. Voll bepackt mit Ökoessen, Tofu und sonstigen alternativen Leckereien (für amerikanische Verhältnisse) geht es endlich los.

Bald hat sich die erste Aufregung nach dem Kennenlernen gelegt, und da es draußen bereits dunkel wird, werden nun die Sitzbänke umgeklappt und das Sammellager aufgeschlagen. Dicht an dicht, Mann an Mann fahren wir in einem Reisebus aus den 50er Jahren durch die kalifornische Nacht. Unsere Reisebegleiter sind Carol, ein ehemaliger Truckfahrer, der seinen Job an den Nagel gehängt hat, Susan, eine Streetworkerin mit so langen Dread Locks, wie ich sie zuvor noch nicht gesehen hatte und der etwas eigene Matt, der sich in den Semesterferien ein bisschen Geld dazu verdienen möchte. Die ersten Sonnenstrahlen (6.30 a.m.) scheinen durch die Busfenster, als so nach und nach und mit einer wohltuenden Gemütlichkeit alle aufwachen. Es ist unheimlich kalt, der Bus steht inmitten eines kleinen Waldes, direkt im Yosemite Valley am Merced River. Carol und Susan haben bereits Feuer gemacht und ein ziemlich leckeres Frühstück zubereitet.

Den erste Tag im Yosemite Park konnte jeder so gestalten wie er das wollte, das ultimative Bergsteigerziel war der Glacier Point. Ein Berg mit 2199 Metern Höhe. Anstatt dieses Gewaltmarsches hatten wir uns entschieden, zu den Vernal Falls zu wandern. Obwohl auf den Karten des Visitor Centers diese kleine Wanderung als recht moderat markiert war, erlebten wir einen recht anstrengenden Aufstieg. Doch die Anstrengungen wurden belohnt.

Die Vernal Falls

Nicht nur ein eindrucksvoller Ausblick, sondern vor allem das Spiel des Wassers mit dem Licht belohnten uns für den schweißtreibenden sportlichen Ehrgeiz, den wir entwickelt hatten. Nach dem Abstieg kühlten wir uns dann noch im Merced River ab - ohne Frage eine echte Erfrischung, das Wasser war eiskalt.

Übernachtung in der Sierre Nevada

Pünktlich um 6.00 p.m. waren wir wieder an der Camp Site, von wo aus es nach dem Abendessen in Richtung Sierra Nevada, d.h. in den östlichen Teil des Parks ging. Aufgrund unseres "Outdoor-Gefährts" brauchten wir dafür geschlagene 5 Stunden. Doch als wir unser Ziel endlich erreicht hatten, wollte trotzdem jeder die Hot Springs, natürliche warme Quellen, besuchen. Spät in der Nacht kurierten wir dann schließlich in dem warmen Wasser unsere beanspruchten Muskeln und bekamen ein Sternenzelt geboten, wie wir es noch nie gesehen hatten. An diesem Abend breiteten alle ihre Schlafsäcke unter freiem Himmel aus und so schlief eine ganze Ladung Pseudo-Hippies unter dem Sternenhimmel der Sierra Nevada.

Am nächsten Morgen weckte uns der süße Geruch von Blaubeerpfannkuchen - schon erstaunlich, was sich über einer offenen Feuerstelle alles zaubern lässt?!

Dann wurde alles schnell zusammengepackt und es ging nach Bishop, wo wir ein Indianermuseum besuchten. Dort war extra eine kleine Gruppe Indianer angereist, die typische indianische Lieder für uns sangen und uns eine Tour durch das Museum gaben.

Der Mono Lake

Ebenfalls in Bishop aßen wir Lunch und hielten an der vorerst letzten Supermarkt-Möglichkeit bevor wir schließlich in Richtung Mono Lake aufbrachen. Dieser See ist eines der erstaunlichsten Naturwunder Kaliforniens: er ist ein Gebirgssee auf 1945 Metern Höhe. Sein tief blaues Wasser ist umgeben von Kratern und die kleine Insel Paoha in der Mitte des Sees ist vulkanischen Ursprungs. Rings um den See, aber auch aus dem Wasser, ragen Tuffstein-Stalagmiten heraus, die aussehen wie kleine Türme. Der See hat eine außergewöhnlich hohe Salzkonzentration und einige mutige aus unserer Gruppe ließen es sich nicht nehmen, sich vom eiskalten Wasser tragen zu lassen. Außerdem konnten wir einen kleinen, geführten Rundgang mitmachen, der Fauna und Flora des Sees erklärte.

Nach vielen Stunden im Bus, einer ausgiebigen Wanderung am Vortag und relativ heißen Temperaturen während des Tages freuten sich alle auf die nur 20 Minuten entfernte Camp Site für diese Nacht.

Zu Detail getreu soll dieser Bericht ja nicht werden, doch wer sich mit dieser Truppe in die Wildnis begibt, sollte sich schon darüber im klaren sein, dass es hier keine WC's im herkömmlichen Sinne gibt. Entweder gibt es eher unangenehm riechende Dixi-Toiletten, oder aber die Option der "Shovel behind" - Methode, wie am Camp Ground des Mono Lake: derjenige, der auf dem Weg zur "Toilette" war, war also mit Spaten und Toiletten-Papier bewaffnet. Tja, auch das gehört zum Wild Life und sorgte für viele Späße und ungeschickte Unfälle.

Da es an diesem Abend doch wieder sehr abkühlte entschieden wir uns im Bus zu schlafen, zumindest der Großteil der Truppe.

Am nächsten morgen trauten wir unseren Augen nicht: es war weniger die Hitze, die uns geweckt hatte, sondern vielmehr eine Wespeninvasion, die sich natürlich vor allem auf die frischen Lebensmittel stürzte, die wir für das Frühstück ausgepackt hatten, aber eben auch so einige von uns angriffen und es uns kaum möglich war bei derartig vielen Wespen den Bus zu bepacken und so schnell wie möglich diesen Ort zu verlassen. Das war wirklich gefährlich, vor allem, weil wir auch Allergiker unter uns hatten und der nächste Ranger mindestens 1-2 Stunden Fahrt entfernt war. Zwei von uns wurden gestochen, der Rest hatte Glück und wir konnten ohne Notfälle weiterfahren.

Nun ging es zurück Richtung Yosemite Park, der Mono Lake liegt am nordöstlichen Rand des Parks. Über Toulumne Madows, in deren Nähe wir noch einmal halt machten um in natürlichen warmen Quellen zu baden, schlugen wir langsam aber sicher den Rückweg nach San Francisco ein. Dabei ließen wir es uns jedoch nicht entgehen eine Nachtwanderung im Wald zu unternehmen, die uns zwar etwas gruselig aber dennoch sehr beeindruckend die Ausmaße der Sequoia Trees vor Augen stellte. Kalifornien ist für seine Jahrtausende alten Baumarten bekannt (Muir Woods) und ca. 10 Kilometer südwestlich von Wawona (am südwestlichen Ausgang des Yosemite National Parks), liegt Mariposa Grove, mit den höchsten Sequoia-Bäumen des Parks. Diese speziellen Bäume können bis zu 2700 Jahre alt sein und bis zu 31 Meter Umfang und 60 Meter Höhe erreichen. Trotz der ereignisreichen und durchaus auch anstrengenden Wilderness-Tage waren diese Zeugen jahrtausendealter Natur sehr beeindruckend und setzten mit der Nachwanderung durch die geheimnisvollen Wälder von Mariposa Grove einen gebührenden Schlusspunkt des Hippie-Abenteuers.

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