California Dreamin´

Wieso lockt es so viele Urlauber in den Sunshine State?

Hollywood

Neben der Sonne und dem ewig blauen Himmel ist Kalifornien der Inbegriff von Freiheit, liberalen und alternativen Lebensentwürfen, Fitness, Gesundheit, Kunst, Kultur, Hollywood und vor allem einer Mittelmeer ähnlichen Lebensart.

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Vielleicht ist es gerade der europäische Charakter, der diesen westamerikanischen Bundesstaat für Europäer so anziehend macht. Eine Reise nach Kalifornien bietet dem kritischen Europäer beides: einen authentischen Eindruck vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber zugleich auch eine Art Beruhigung seines schlechten Gewissens, im Land des globalen Agressors Urlaub zu machen - Kalifornien ist nämlich das "enfant terrible" der insgesamt 50 Bundesstaaten der USA. Im Laufe der Geschichte entstanden hier wohl die meisten Gegenkulturen der amerikanischen Gesellschaft: Beatniks, Hippies und die revoltierenden Studenten der University of Berkeley sind die bekanntesten Vertreter. Aus heutiger Sicht sind der "summer of love" im Jahre 1967 in San Francisco und der Woodstock Festival 1969 an dem ca. 20 000 Menschen teilnahmen, so unamerikanisch, dass gerade diese Protestkultur und dieses Freidenkertum immer noch ein großes Magnet für Touristen, Intellektuelle und Alternativ-Urlauber sind.

Pazifikküste in Kalifornien

Aber Kalifornien ist vor allem auch Sonne, Strand und "Baywatch". Hollywood darf jedoch nicht nur als Wiege einer noch heute weltbestimmenden Filmindustrie gesehen werden, auch die Literaturszene hat dort lange zurück reichende Wurzeln, man denke nur an die zahlreichen Autoren, nicht zuletzt deutsche, die während des Nationalsozialismus im Sunshine State im Exil lebten.

Auf den folgenden Seiten reisen wir, vom Ausgangspunkt San Fancisco, wo wir drei Tage verbringen, in den Yosemite National Park: gerade bei diesem etwas anderen Trip in den beliebtesten National Park der USA wollen wir es uns nicht nehmen lassen etwas genauer und detailgetreuer unsere Erlebnisse an die, die noch nach Kalifornien reisen wollen, weiter zu geben.

Love, Peace ... und Touristen:

San Francisco als "enfant terrible" des konservativen Amerika?

Wer sich schon einmal länger im Land der unbegrenzten Möglichkeiten aufgehalten hat, vor allem diejenigen, die im Bible Belt des Mittleren Westens oder im konservativen Süden des Landes kulturelle Erfahrungen gesammelt haben, wissen: Kalifornien ist der Ausnahmestaat Amerikas. Nicht nur, weil er der bevölkerungsreichste Bundesstaat (direkt nach New York) ist, sondern weil er aufgrund seiner kulturellen und politischen Geschichte heute für eine Lebensweise steht, die als Gegenkultur für das prüde und konservative Amerika steht. Um auszubrechen, oder neue Impulse für sein Leben zu finden, siedelt man in den Sunshine State über: hier kann sich sogar der prüde Amerikaner von Zwängen befreien und in ein neues, ganz anderes Leben fliehen. Was also macht diesen Staat zum "enfant terrible"?

San Francisco kann hier, neben L.A. natürlich, das wir aber mit seiner Filmgeschichte einmal außen vor lassen wollen, als Symbol für diese etwas gewagte These gesehen werden. In San Francisco leben die Menschen etwas relaxter, etwas langsamer, etwas Genuss orientierter und vor allem gesünder, liberaler und alternativer. Anders als bei den doch recht liberalen Europäern hat die Kultur des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten nämlich Denkbarrieren, die ein Tattoo, einen Schwulen oder gar die Musik von Eminem zu Insignien der Revolution gegen das bestehende, gute und vor Nationalstolz trotzende Amerika bedeuten können. Wie gesagt, im Bible Belt eine weit verbreitete Ansicht - in Kalifornien kann man darüber nur lachen, und genau das macht es zum Ausnahmestaat der "Neuen Welt".

Hippie

San Francisco war spätestens seit der Anbindung an die Transkontinentale Eisenbahn (1869) und durch seine direkte Lage am Pacific dafür prädestiniert, zu einem Epizentrum unterschiedlichster Kulturen und Lebensentwürfe zu werden. Doch so weit wollen wir gar nicht zurück gehen. Goldrausch, Feuersbrünste, wirtschaftliche Krisen und große Boomphasen haben aus der Metropole heute ein kosmopolitisches Zentrum geschaffen, in dem jeder das sein kann, was er ist. In den 50ern war es die Beat-Bewegung, die zwar keinen einheitlichen ideologischen Hintergrund hatte, sich aber doch als Auffangbecken für individuelle Aussteiger empfand, die sich von den Werten der amerikanischen Gesellschaft distanzierten: Verzicht auf die Jagd nach immer mehr Dollars und auf den ständigen Konsum, Abstand von Hierarchien und Konformismus. Zentrum dieser Bewegung war der Stadtteil "North Beach". Dann in den 60ern folgte die Hippie-Bewegung. Der "Summer of Love" im Jahre 1967 war der Höhepunkt einer Reise von enttäuschten Jugendlichen und Studenten, die ihr Heil in Selbstfindung und neuen Werten zu finden suchten.

Das jüngste Beispiel für die aktive Rolle von Gegenkulturen in San Francisco ist die sehr ausgeprägte Gay-Szene. In ihr organisiert sich ein selbstbewusster Teil der homosexuellen Bevölkerung, der sich im Laufe der letzten Jahrzehnte zunehmend politisiert hat. Vor dem Hintergrund einer multikulturellen Gesellschaft und den "free love"- Tendenzen der Hippies entschieden sich Schwule und Lesben aus der gesellschaftlichen Isolation herauszutreten und sich wie in keinem anderen Staate der USA (neben New York) öffentlich für ihre Interessen zu engagieren.

Vor diesem Hintergrund wollen wir die Schilderungen unserer Reise verstanden wissen. Der Urlaub fängt auch sofort an, wenn man in Kalifornien ankommt: wie gesagt, hier sind die Menschen dem Leben gegenüber grundsätzlich positiv und sehr entspannt eingestellt.